Spanien: kommt der „Lockdown“ wie im Frühjahr?

Die Covid-19 Infektionszahlen in Spanien steigen drastisch an. Auch die Zahlen der Betroffenen, die in Krankenhäusern behandelt werden müssen, wächst ständig. Allein am letzten Wochenende wurden spanienweit ca. 55.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus diagnostiziert. Damit übersteigt die Zahl der positiv getesteten Menschen in Spanien die Marke von 1,2 Millionen. Gemeldet wurden zudem in Spanien bisher über 36.000 Todesfälle, die im Zusammenhang mit Covid-19 erfasst wurden, alleine 777 in der vergangenen Woche. Die Frage ist, wie lange es dauert, bis der Druck auf die Zentralregierung in Madrid so groß wird, dass man sich mit einem 2. „generellen Hausarrest“ beschäftigen wird. „Die Situation in Spanien ist weiterhin sehr schlecht“, sagte der Direktor des Zentrums für die Koordinierung von Gesundheitsalarmen und Notfällen, Fernando Simón, am letzten Donnerstag, obwohl er gleichzeitig betonte, dass sich das Infektionswachstum durch die jetzt angewendeten Beschränkungen „etwas verlangsamen“ könnte. In Bezug auf die Gesamtzahl der mit der Epidemie verbundenen Todesfälle ist Spanien nach Großbritannien, Italien und Frankreich das achte Land der Welt und das vierte in Europa. Bei der Zahl der gemeldeten Infektionen ist es das sechste Land der Welt und das zweite in der Europäischen Union – nur von Frankreich übertroffen. Angesprochen auf das Szenario der Anwendung von generellen Ausgangssperren in Ländern wie Frankreich und der Schließung von Hotels, Kinos und Theatern in Deutschland ist der spanische Gesundheitsminister Salvador Illa bisher jedoch der Ansicht, dass „mit den derzeitigen Maßnahmen keine Notwendigkeit besteht“, eine neue generelle Ausgangssperre in Spanien zu verhängen. Er forderte, die bereits geltenden Maßnahmen „gut anzuwenden“ und „vorsichtiger zu sein, um strengere Maßnahmen abzuwenden“. Gleichzeitig vertrat Illa aber auch die Auffassung, dass „eine sehr kurze Beschränkung nicht ausreicht“ und dass die positiven Auswirkungen umso geringer sein werden, je geringer der Zeitraum ist, in dem sie angewendet werden. Insoweit deutet momentan nichts auf einen bevorstehenden generellen „Hausarrest“ wie im Frühjahr hin, sondern eher auf eine Verlängerung oder Verschärfung der bisherigen Massnahmen wie nächtliche Ausgangssperre oder Öffnungszeiten von Bars und Restaurants. Die aktuellen Zahlen, wenn sie denn so bleiben oder gar steigen, sprechen momentan trotzdem eher für einen zu erwartenden zweiten generellen „Lockdown“ in Spanien. Ob es so kommt, werden wir sehen. Bisher jedenfalls ist die spanische Zentralregierung der Ansicht, dass es immer noch einen „vorübergehenden Spielraum“ gibt und dass es andere Möglichkeiten gibt, die unter dem Dach des bestehenden Alarmzustands umgesetzt werden können, bevor eine solche Massnahme Ggenstand der Diskussion werden könnte.

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