Tanz auf dünnem Eis – ein Kommentar zum internationalen Tourismus in Spanien

Der Druck ist groß. Tourismusbranche, Hotels, Gastronomie, Fluggesellschaften – alle rufen nach „Tourismus jetzt“. Seid ihr sicher, was ihr da fordert? Ich weiß, ich lege mich mit Lobbys an, die berechtigte Interessen vertreten und es geht um zigtausende Arbeitsplätze und Milionen- wenn nicht Milliardenumsätze. Und trotzdem: seid ihr sicher, was ihr da fordert?

Weltweit über 6 Millionen bestätigte Infektionen mit diesem elenden Covid-19-Coronavirus. Bestätigt. Wie hoch ist die „Dunkelziffer“? Wieviele echte Infektionen gibt es, die nicht bekannt sind. Wir wissen es nicht, denn es gibt keine Massentests. Nirgendwo.

Nun lassen Sie uns auf Spanien, unser Land, unsere „Wahlheimat“ schauen: was haben wir hinter uns? Acht Wochen Hausarrest, Einzelhaft – ich bleibe bei dem Wort – 8 Wochen nicht vor die Tür, außer zum Einkaufen und in die Apotheke… Warum? Nun, weil die Infektionsraten so immens waren, dass die Gefahr bestand, dass das gesamte Gesundheitssystem zusammenbricht und wir Bilder wie aus Italien oder jetzt aus den USA sehen, wo Menschen in Krankenhausfluren sterben und die, die an den Folgen der Infektion gestorben sind, in Massengräbern verbuddelt werden.

Das war der Grund, warum man hier in Spanien fast 47 Millionen Menschen wochenlang eingesperrt hat. Habt ihr das vergessen? War es doch nicht „so schlimm“?

So, und nun haben wir durch diese Gewaltleistung eine Situation erreicht, in der diese Pandemie kontrollierbar erscheint. Klar, denn „dank“ 8 Wochen Hausarrest (Einzelhaft) sind kaum noch Infektionsketten vorhanden, die Pandemie scheint halbwegs unter Kontrolle und das ist der Grund, warum wir uns nun alle in Deeskalationsphase 1 oder sogar 2 befinden und auch wieder ein Bier auf einer Terrasse trinken können. Nur das hat uns dahin gebracht, nur diese Ausgangssperre, nichts anderes.

Und warum haben wir das so schnell erreicht? Weil wir alle mitgeholfen haben, diese Infektionsketten zu unterbrechen. Dafür sind wir zuhause geblieben – zwangsweise – und das haben wir alle gemeinsam in diesem Land erreicht. Wir können stolz darauf sein. und, wir sollten auch stolz darauf sein, mit wieviel Disziplin alle Menschen in diesem schönen Land Spanien diesen harten Weg gemeinsam und fast ohne Murren gegangen sind.

So, was hat das nun mit dem Tanz auf dünnem Eis zu tun? Viel. Denn nun, kaum hat man dieses elende Virus im eigenen Land unter Kontrolle, kann die Öffnung und „Deeskalation“ gar nicht schnell genug gehen. Es sollen, so hört und liest man quer durchs Land, die Grenzen schnell wieder geöffnet werden und wir sollen schnellstens den internationalen Tourismus wieder ins Land lassen. Dabei sind wir momentan vor uns selbst nicht sicher, ob die Lockerungen ohne internationalen Tourismus nicht bereits zu schnell gehen. Ich verweise auf den Artikel hier.

Wisst ihr eigentlich, was ihr da fordert und welche Konsequenzen das haben könnte? Ich bin sicher kein Linkssozialist und einiges von dem, was Pedro Sánchez an Politik- und insbesondere Kommunikations-Stil verkörpert, ist nicht meine Welt. Trotzdem habe ich heute große Achtung vor ihm und seiner Regierung: Sie haben es durchgehalten, gegen alle Widerstände, sie waren konsequent, sie haben es mit ihren harten Massnahmen geschafft, diese Pandemie hier im Land relativ schnell unter Kontrolle zu bekommen.

Aber, der Druck auf Sánchez und seine Regierung ist immens. Ich rede vom Druck genau dieser Lobbys, die ich oben angesprochen habe und natürlich vom Druck der politischen Gegner.

Macht das Land auf, wir brauchen den Tourismus, Spanien geht sonst unter…. Man könnte die Aussagen, die man zu hören und lesen bekommt, beliebig fortsetzen. Und wie soll das gehen? Welche „Sicherheits-Konzepte“ liegen denn vor? Wie will man garantieren, dass keine mit COVID-19 Infizierten ins Land kommen und die Pandemie von außen wieder zu uns tragen? Fieber messen? Sinnlos, denn wer sich vor kurzem angesteckt hat, hat meist keine Symptome. Gesundheitspass, aktueller Covid-Test, maximal 48 oder 72 Stunden alt? Wäre eine Option. Aber, seh´ ich nirgends, und, wie kontrolliert man das dann? Mag an Flughäfen gehen, aber bei denen, die mit dem Auto kommen (wollen)? Stundenlange Grenzkontrollen in La Jonquera?

Sicherheits-Korridore lese ich da. Was soll das denn sein und wie soll das gehen? Wir lassen Deutsche rein, aber Rumänen nicht? Portugiesen und Franzosen dürfen kommen, Italiener und Engländer nicht? Ich höre schon die Aufschreie und sehe die Diskussionen und Klagen vorm europäischen Gerichtshof wegen Gleichbehandlung, Diskriminierung und so…

Leute, lasst es gut sein. Diese Pandemie kostet – neben Millionen Toten – alle Länder auch wirtschaftlich Milliarden. Kommt es da auf 10 oder 15 Milliarden noch an? Ich denke, nein. Also, lasst die Türen zu, beschließt ein „Rettungspaket“ für Hotels, Gastronomie und betroffene Fluggesellschaften – sofern nicht schon geschehen – seht zu, dass die, die dieses Jahr durch den Tourismuseinbruch Geld oder Job verlieren, durch vernünftige staatliche Hilfen über die Runden kommen und dann lasst uns auf das konzentrieren, was sinnvoll und halbwegs sicher ist: Inlands-Tourismus 2020.

Ausnahmen kann man machen, zum Beispiel für Menschen, die hier Eigentum haben oder in Spanien Verwandte besuchen wollen: Gesundheitspass, COVID-19-Test, aktuell, nicht älter als 48 Stunden vor Abflug; den muss man dabei haben, übersetzt in Spanisch, beglaubigt mit Stempel – und dann darf diese Menschengruppe uns besuchen. Einfach, gut kontrollierbar, sind keine Hunderttausende, hab ich keine Probleme damit. Die können dann auch hier mit uns halbwegs gefahrlos ein Bier trinken oder was Essen gehen und den Strand besuchen und baden.

An alle anderen: sorry, aber bitte bleibt zuhause, macht Urlaub im eigenen Land und tragt so dazu bei, dass wir diese Pandemie „sicher“ in allen Ländern (auch euren eigenen) eliminieren. Wir machen derweil auch Inlands-Tourismus und schauen, dass die betroffene Gastronomie und Hotels wenigstens noch ein wenig Umsatz machen können.

Da müssen wir dieses Jahr dann halt durch, wir alle. Es sind eben außergewöhnliche Umstände und die erfordern bekanntermaßen außergewöhnliche Maßnahmen. Nächstes Jahr sehen wir weiter. Also, an alle internationalen Touristen: ich bin sicher, ihr versteht das. Bis nächstes Jahr dann. Wir kommen dann auch mal zu euch. Versprochen.

Allein der Glaube fehlt mir, dass die Regierung Sánchez oder eine andere Regierung bei dem immensen Druck das so umsetzen könnte. Besser wäre es. Bin ich sicher. Wird aber wohl nicht so kommen. Wir reden spätestens im Herbst dann weiter. Hoffentlich nicht per Telefon oder Skype, da wir wieder „eingesperrt“ wurden, weil die 2. Welle kam…

Bis dahin, Gruß, Ihr T.J.B.

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5 Kommentare

  1. Ich lebe hier an der Küste seit 17 Jahren und muss Ihnen Recht geben. Wenn es nach mir ginge würde ich Spanien auch diesen Sommer geschlossen lassen. Es ist einfach zu gefährlich. Auf der anderen Seite haben wir viele Gastronomen und Geschäfte die ohne Tourismus nicht überleben können. Das alles ist schwer zu entscheiden und wie man es auch machen wird, es wird alles Vor- und Nachteile haben. Ich bin froh daß ich kein Politiker in Verantwortung bin.

  2. Hallo, ich gebe Ihnen auch Recht. Ich war vom Anfang an auch gegen die Idee die Türen für den Massentourismus auf zu machen. Ich bin viel mehr dafür, Zweitwohnbesitzern die Einreise zu erlauben, da sie -neben dem Aufenthalt in ihrer 2. Heimat- auch die Verpflichtung haben ihr Eigentum zu pflegen. Nicht alle haben Gärtner und viele die mehrere Monate am Stück vor Ort sind, kümmern sich selbst um Einiges…ich mache mir Sorgen zum Beispiel wegen der Verpassten Behandlung der Palmen und was daraus entstehen kann, Bewässerung wenn die Hitze kommt und die Pflanzen ohne Wasser bleiben, Termine mit Handwerkern. Natürlich ist die Sorge verglichen mit sterbenden Menschen banal, aber ist es nicht besser Beides zu retten wenn es möglich ist und wo das Risiko überschaubar wäre?? Also, Touristen nein, Wahlresidenten ja.

    1. Unglaublich.. wie wichtig Palmen doch sind..!!!

  3. Nicht vergessen, nach der zweiten Welle kommt die dritte usw nächsten Sommer oder Herbst kommt eine Impfung, unterdessen hat sich der Virus verändert, also Grenzen geschlossen halten. Wenn es gut läuft und die Regierung viel Geld ausgibt die sie nicht haben, sind nur die Hälfte der Hotels Und Restaurant und Geschäfte Konkurs, 30% Arbeitslose vermutlich mehr.
    Wichtiger wäre mal die Spitäler und Altersheime auf Vordermann zu bringen nach Standard Schweiz und Deutschland
    Ihr wollt eingeschlossen sein, aber die Zeche bezahlt ihr mit horrend höheren Steuern und Abgaben.

    1. So ein Blödsinn! Wer will denn eingeschlossen sein??? Wer so schreibt hat auch gar nix verstanden. Ich habe kein Verständnis für solche komischen Kommentare!!! Wir werden mal alle für das bezahlen müssen denn wo soll denn das Geld sonst her kommen was überall an Hilfe ausgegeben wird.

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